Hung Gar Kung Fu

Kung Fu

Kung Fu ist eine chinesische Kampfkunst. Sie ist sehr alt und legendenumrankt. Fast jeder bringt sie mit dem Shaolinkloster in Zusammenhang und nicht wenige behaupten sie sei die älteste aller Kampfkünste. Doch wenn man sich ein wenig mit dem Thema beschäftigt,dgfertwertr so wird einem schnell klar, dass der Kampf und damit auch seine Techniken leider so alt sind wie die Menschheit selber. Es war schlicht eine Überlebensstrategie sich richtig verteidigen zu können, jedes Volk hatte und hat so etwas. Aber nur die asiatischen Kampftechniken sind eben nicht - wie etwa die Europäischen mit der Erfindung der Feuerwaffen untergegangen. Daraus ergibt sich, dass es eben um mehr als um den reinen Kampf geht. Und hier erhält dann das Shaolin Kloster seine Bedeutung. In ihm gab es - möglicherweise zum ersten Mal - eine Verbindung der Kampftechniken mit religiösen ethischen und philosophischen Überzeugungen. Hier wurde der Kampf zur Kampfkunst. In der Verknüpfung mit daoistischen und vor allem buddhistischen Lehren (der Chan Buddhismus ist ja genau das), sowie den traditionellen chinesischen Kenntnissen über Medizin und Atmung liegt der Schlüssel zur Fastzination die nicht nur Shaolin, sondern auch das Kung Fu auf uns ausübt.
 

Leider gibt es nur Legenden zu berichten, über die Entstehung des Kung Fu, die sich bis heute nicht schlüssig belegen lassen. So wird berichtet, dass im 6. Jh. ein indischer Mönch namens Boddidharma oder wie ihn die Chinesen nennen, Da Mo in das Shaolinkloster in Henan am Fuße des Berges Song kam. Dort fand er die Mönche in einem bemitleidenswerten gesundheitlichen Zustand vor, der dazu führte, dass sie ihre Meditationen nicht richtig ausführen konnten. So lehrte er Techniken der Atmung und der Körperbewegung. Sie bildeten die Grundlage des Shaolin Kung Fu und wurden die 18 Arhat oder Lohan Techniken genant. Über die Jahrhunderte entwickelte sich daraus ein sehr vielfältiges System, durch Beobachtung der Natur und Erprobung im Kampf. Außerdem gelangten in Ungnade gefallene Generäle in das Kloster, die diese Entwicklung beschleunigten. Den kulturellen Höhepunkt erlebte das Shaolinkloster während der Ming Dynastie(1386-1644). Da die Mönche die eine oder andere Auseinandersetzung für das Kaiserhaus erfolgreich führten, gelangten sie in den Besitz vieler Privilegien. 
 

Die folgende Dynastie nannte sich Qing und war eine Mongolische Fremdherrschaft (1644-1911). Da Fremdherrschaften im Allgemeinen und Besonderen nicht so gern gesehen sind, vor allem bei denen nicht die beherrscht werden sollen, gab es eine lange Periode des Widerstandes (ca. 200 Jahre). Ziel der Rebellen war es, die Ming Dynastie wieder einzusetzen. Das Shaolin Kloster täuschte zunächst Neutralität vor, koordinierte aber den Widerstand. Da es durch seine Nähe zur Vorgängerdynastie und seine Kenntnisse und Fähigkeiten im Kampf die Macht der Qing in Frage stellte, handelte diese schließlich und brannte den Tempel nieder. Hier liegt der Ursprung der Verbreitung des Kung Fu, denn die geflohenen Kämpfer gaben Ihre Kenntnisse im Volk weiter. Das Shaolinkloster wurde noch öfter zerstört und wiedererrichtet, es konnte seine ursprüngliche Macht aber nie wieder erreichen.

 

Hung Gar Kuen

Auch der südchinesische Shaolintempel (es gab mehrere, wohl fünf) in Fukien wurde niedergebrannt. Nach der Legende forderte die Zerstörung viele Opfer unter den Mönchen, es konnten jedoch einige entkommen. Die fünf bekanntesten Überlebenden waren: Hung, Liu, Mok, Li und Choi. Diese fünf gründeten die fünf südchinesischen Kung Fu Stile Hung Gar, Liu Gar, Mok Gar, Li Gar und Choy Gar. 

So beginnt auch unser Stil mit der Zerstörung des Shaolin Klosters, wenn auch des Südchinesischen. Der damalig Abt des Klosters nannte sich Gee Sin Sim See. Einer seiner Schüler hieß Hung Hei Goon und lernte von Ihm den Stil des schwarzen Tigers. Es gab fünf klassische Tierstile im Kloster: Tiger, Kranich, Leopard, Schlange und Drachen. Jeder der Fünf Stile steht für ein Tier. Die Tiere finden Ihre Entsprechungen in den Fünf Elementen Wasser, Holz, Feuer, Erde und Metall.
 

Nachdem Hung Hei Goon die Flucht aus dem Tempel gelang - folgen wir der Legende weiter- traf er seine spätere Frau Fong Wing Chun - sie hat nichts mit dem gleichnamigen Kung Fu Stil zu tun- und lernte von Ihr den Kranichstil. Da er sie im Kampf nicht besiegen konnte, fügte er die weichen, harmonischen Bewegungen des Kranichs den kraftvollen, körperbetonten des Tigers hinzu. Weil die Verfolgung der Rebellen anhielt, konnte er sein System nicht, wie er es ursprünglich vorhatte Shaolinstil (Siu Lum Pai) nennen, daher gab er ihm einfach den Namen seiner Familie: die Faust der Familie Hung - Hung Gar Kuen. 

Ein anderer Schüler, der auch unter Abt Gee Sin trainierte, kam zu Hung Hei Goon und erlernte seinen Stil, sein Name war Luk Ah Choy. Er war ein sehr gelehriger Schüler, ihm kam es zu den Stil weiter zu verbreiten. Nach ihm gelangte das Hung Gar in die Familie Wong. Über Wong Tai zu Wong Kai Ying der ein berühmter Kämpfer war und zu den zehn Tigern von Kwantung zählte (so nannte man die zehn besten Kämpfer in dieser Region). Sein Sohn war der wohl bekannteste aller Kung Fu Meister: Wong Fei Hung. 

Noch heute erzählt man sich Legenden über ihn und seine außergewöhnlichen Fähigkeiten, seine Geschichte wurde in unzähligen chinesischen Filmen erzählt. Wong Fei Hung lernte nicht nur den Hung Gar Stil von seinem Vater, sondern hatte auch früh andere Einflüsse. So lernte er von Tit Kiu Sam (wie der Name sagt, jemand mit eisernen Unterarmen) eine harte Qi Gong Form - den Eisenfaden. Es kommen wohl auch die sehr tiefen Stände (Sei Ping Ma) von ihm. Aufgrund seiner Fähigkeiten und profunden Kenntnisse, erneuerte Wong Fei Hung den Hung Gar Stil und choreographierte viele Formen um, ergänzte sie durch Elemente aus dem harten Qi Gong. So viele verschiedene Hung Gar Linien es auch heute geben mag, fast alle berufen sich in ihrem Stammbaum auf Wong Fei Hung. Sein Einfluß war so grundlegend, dass er heute nicht mehr wegzudenken ist. 

Der wichtigste Schüler Wong Fei Hungs war Lam Sai Wing. Er verbreitete den Stil in Südchina, vor allem in Hongkong, wo er später hinzog. Besonders der Tiger - Kranichform, die von seinem Meister choreographiert wurde, verhalf er zu großer Beliebtheit. Daher bezeichnet man Hung Gar Kuen auch als Tiger Kranich Stil, obwohl die Techniken aller fünf Tiere in ihm enthalten sind. Auch Lam Sai Wing hatte von seinem Vater schon andere Kung Fu Techniken gelernt und konnte auf Grund seiner Erfahrungen den Stil bereichern. Sein Neffe Lam Cho, der 2012 mit 102 Jahren in Hong Kong verstarb und einer der letzten der alten Kung Fu Meister Generation in China war, führte den Stil weiter. Als Ausnahmetalent im verstehen und aufnehmen von Techniken, erneuerte auch er den Stil, machte ihn flexibler und schneller und choreographierte viele neue Formen. 
 

Sigung Lam Chun Fai

Sein Sohn Lam Chun Fai, unser Großmeister, lebt ebenfalls in Hongkong und führt den traditionellen Hung Gar Stil weiter. Er hat viel für seine Verbreitung in Europa und Amerika getan. Seine weit über 50jährige Praxis macht ihn zu einem Experten, der sich mit einer Leichtigkeit und Genauigkeit in den Formen und Techniken bewegt die einem nur höchste Bewunderung abverlangen kann. Wir sind dankbar, dass dieser Stil die Zeiten überstanden hat und von Menschen die Ihr Leben dem Hung Gar widmeten, bewahrt und trotzdem immer weiter entwickelt wurde, so dass wir heute die Ehre haben, ihn in seiner traditionellen und dadurch vollständigen Form lernen dürfen.

Sifu Niels Kleinert

Niels Kleinert praktiziert seit 1994 Kung Fu und begegnete 2003 zum ersten Mal Großmeister Lam Chun Fai in Prag auf einem Seminar, überzeugt von der Präzision und der Schnelligkeit der Techniken, kehrte er jedes Jahr wieder und nahm regelmäßig Privatstunden. 2007 gab Sigung Lam Chun Fai ein Seminar in Berlin an unserer Hung-Gar-Schule, seit 2008 ist Niels Kleinert direkter Schüler von Großmeister Lam Chun Fai, seitdem fahren wir jährlich auch mit unseren Schülern nach Hongkong, um an Seminaren teilzunehmen oder im Privattraining von den Fähigkeiten Sigungs profitieren zu können.